Beinhaus
Gleich neben der Kirche Utzenstorf steht ein eher unscheinbares, aber ganz besonderes Gebäude: das ehemalige Beinhaus. Es wurde um das Jahr 1500 erbaut und zählt heute zu den wenigen noch erhaltenen Beinhäusern im Kanton Bern.
Beinhäuser waren im Mittelalter und der frühen Neuzeit wichtige Bestandteile eines Kirchhofs. Wurden Gräber aufgelöst so legte man die Gebeine der Verstorbenen im Beinhaus ab. Man wusste, auch diese Gebeine sollten ihren Platz nahe der Kirche behalten.
Das Beinhaus von Utzenstorf wurde später erweitert und diente zwischendurch sogar als Speicher. In den Jahren 1954 sowie 1968/69 wurde es sorgfältig renoviert, mit dem Ziel, die ursprüngliche Bausubstanz so weit wie möglich zu erhalten.
Es handelt sich um einen kleinen, verputzten Bau mit Satteldach. Auffällig sind die runden Bogenöffnungen auf der Nord- und Ostseite. Sie sind mit kunstvoll gearbeiteten Tuffsteingewänden eingefasst, die teilweise orange und schwarz bemalt sind. Die Öffnungen sind durch kunstvolle schmiedeeiserne Gitter verschlossen, so wie es früher üblich war, um die Gebeine zu schützen, aber dennoch sichtbar zu lassen.
Die Südseite weist zahlreiche Türöffnungen auf, was auf ihre frühere Nutzung als Lagerraum oder Speicher hindeutet.
Im heutigen Vorraum des Beinhauses lassen sich noch Reste von Wandmalereien entdecken, florale und figürliche Fragmente, die an den einst sakralen Charakter erinnern. Besonders bemerkenswert: Hier sind auch Werkstücke des Chorbogens der Kirche aus dem Jahr 1522 ausgestellt, die bei Renovationsarbeiten entdeckt wurden.
Das Gebäude steht rechtwinklig zur Kirche und ist in die alte Kirchhofmauer integriert.
Quelle
Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Die Kirche Utzenstorf, ehem. St. Martin, Armand Baeriswyl