Gasthof Bären
Der Gasthof Bären in Utzenstorf ist nicht nur ein markantes Gebäude, er ist ein Stück lebendige Geschichte. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1816, was man an der Jahreszahl über der Kellertür ablesen kann. Stilistisch ist der „Bären“ ein eindrucksvoller Putzbau mit barocken Elementen, unter einem geknickten Walmdach. Besonders auffällig sind die Sandsteingliederungen, kräftige Fensterumrahmungen, eine schöne Freitreppe aus Kalkstein und eine steinsichtige Portalachse mit Bärenfigur an der Ecke.
Doch die Geschichte reicht viel weiter zurück: Bereits 1260 wurde der Gasthof im Landshuter Urbar erwähnt – als ältestes Gasthaus der Region. Damals musste der Wirt jährlich ein Schwein an die Grafen von Kiburg abliefern, um seine „Taverne“ weiter betreiben zu dürfen. Damit ist der Bären älter als die Kirche in Utzenstorf, die erst später zwischen 1275 und 1335 entstand.
Der Bären war über viele Generationen im Besitz der Familie Läng. 1893 wurde eine Kegelbahn gebaut und die alte Scheune durch die heutige Bärenscheune ersetzt. Zum Betrieb gehörten auch die erste Poststelle und eine Pferdewechselstation für Postkutschen. Mit einem grossen Schöpfrad im sogenannten Wasserhäuschen wurde früher Wasser in die umliegenden Brunnen gepumpt.
Ein wichtiger Umbau erfolgte 1901: Über dem Fundament des alten Bären von 1685 entstanden Gästezimmer und ein grosser Festsaal. Eine bauliche Besonderheit: Der Saal wurde ohne tragende Säulen errichtet – die Decke hängt an Stahlträgern, die in den Dachstock führen.
Ein tragisches Kapitel war der Brand des Bärenhofs im Jahr 1929, ausgelöst durch Brandstiftung – der Täter wurde nie gefasst.
Heute erinnert der „Bären“ mit seiner Architektur und Geschichte an die zentrale Rolle, die er im sozialen und wirtschaftlichen Leben von Utzenstorf über viele Jahrhunderte hinweg gespielt hat.
Quelle
Bauinventar Kanton Bern, Hauptstrasse 18, Utzenstorf
Barbara Kummer, Aufsatz Gasthof Bären zu Gotthelfs Zeiten