Kirche Utzenstorf
Am südlichen Rand des Dorfes, nahe der Emme, steht die Kirche von Utzenstorf. Sie liegt etwas abseits der Hauptsiedlung, während im Norden das Wasserschloss Landshut das Ortsbild prägt. Diese besondere Lage erzählt viel über die Geschichte des Ortes und die Kirche selbst ist ein Bauwerk mit jahrhundertelanger Vergangenheit.
Vermutlich entstand das Gotteshaus im ausgehenden Frühmittelalter, also etwa im 8. oder 9. Jahrhundert. Archäologische Funde und die Weihe an den Heiligen Martin, ein in dieser Zeit häufiges Patrozinium, stützen diese Annahme. Historiker gehen davon aus, dass Utzenstorf schon im 10. Jahrhundert eine gewisse Bedeutung hatte. Möglicherweise schenkte Königin Adelheid im Jahr 994 den königlichen Hof Utzenstorf, gemeinsam mit Kirchberg, dem Kloster Seltz im Elsass.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Kirche 1275. Der Turm, wie wir ihn heute kennen, geht im Kern auf das Jahr 1457 zurück. Um 1522 erhielt die Kirche prachtvolle Glasmalereien und eine verzierte Holzdecke, gestiftet vom damaligen Ortsgeistlichen Niklaus von Diesbach, einem päpstlichen Protonotar. Die kunstvollen Glasfenster aus dieser Zeit gelten als Werke des bekannten Glasmalers Hans Funk.
In ihrer heutigen Form ist die Kirche ein schlichter Saalbau unter einem Satteldach. Im Osten schliesst sie mit einem polygonalen Chor ab. Ihre Fenster sind mit gotischem Masswerk verziert, ein Hinweis auf die spätmittelalterliche Bauphase. Besonders auffällig ist die rote Quadermalerei an der Fassade, die 1522 aufgetragen und 1997 restauriert wurde.
Mehrere Umbauten prägten die Kirche über die Jahrhunderte. 1727 wurde das Innere erneuert, 1746 und 1872 folgten weitere Arbeiten. 1925 erhöhte man den Turm um ein zusätzliches Geschoss. Heute trägt er einen achteckigen Spitzhelm, der etwa in der Mitte durch eine sogenannte Laterne unterbrochen wird – ein ungewöhnliches, aber elegantes Merkmal.
Die Nordseite des Turms ist mit zwei Wappenreliefs geschmückt, Kopien der ursprünglichen Wappen von Thüring von Ringoltingen und seiner Frau Verena von Hunwil. Der ursprüngliche Chorbogen aus dem Jahr 1522 war 1729 entfernt worden, wurde aber 1932 wiederhergestellt.
Quelle
https://www.ref-utzenstorf.ch/kirche-utzenstorf
https://shop.gsk.ch/de/die-kirche-utzenstorf-ehem-st-martin.html
https://kirchenvisite.ch/orte/orte-nach-region/emmental-oberaargau/279-utzenstorf-reformierte-kirche
Archäologie im Kanton Bern, 2A/2B (1992), Kirche Utzenstorf, Bauuntersuchung
Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Die Kirche Utzenstorf, ehem. St. Martin, Armand Baeriswyl
Haaf & Haemmig Architektenn AG, Bern, Stefan Harf, Text Architektur
Fotos: Roland Trachsel Fotografie, https://www.rot-fotografie.ch