Papierfabrik Utzenstorf
Über 125 Jahre prägte die Papierfabrik Utzenstorf das Landschaftsbild nördlich von Landshut und das Leben der Menschen. Das Herz der Fabrik waren zwei gigantische Papiermaschinen, jeweils rund 150 Meter lang, benannt liebevoll Mona und Lisa. Beide produzierten Zeitungspapier im Akkord, bis zu ein Kilometer Papierband pro Minute, über vier Meter breit. Die Jahresproduktion lag bei 220'000 Tonnen Papier, hergestellt aus 260'000 Tonnen Altpapier.
Die Papieri, wie sie im Dorf genannt wurde, war ein pulsierender Organismus mit über 200 Mitarbeitenden. Bis zuletzt auch der grösste Arbeitgeber Utzenstorfs.
Doch die Geschichte begann viel früher.
Bereits in den 1860er-Jahren wurde im benachbarten Bätterkinden eine Holzstofffabrik gegründet. 1892 folgte die Gründung der Papierfabrik in Utzenstorf. Ein Jahr später nahm die erste Maschine ihren Betrieb auf. In den Anfangsjahren wurde die Fabrik gleich mehrfach hart geprüft durch Hochwasser, Stillstand und sogar eine Liquidation im Jahr 1902. Doch das Werk wurde gerettet – und wuchs.
Pfarrer Hans Eugen König, ein Chronist seiner Zeit, schrieb 1949: „Der Direktor kaufte in Amerika eine neue Papiermaschine, die die modernste in Europa sein soll.“ Und weiter: „Die Produktion deckt die Hälfte des schweizerischen Bedarfs an Zeitungspapier ab»
Auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts blieb die Papieri in Bewegung mit Modernisierungen und Besitzerwechsel. Doch 2017 kam das Ende. Nach 125 Jahren wurde die Produktion eingestellt, das Areal verkauft und Schritt für Schritt zurückgebaut.