Ehemaliges Kieswerkareal "Steibrächi"
Im Jahr 1910 führte ein verheerendes Hochwasser der Emme zu massiven Verwüstungen. Nach dem Rückgang des Wassers blieb eine Steinwüste zurück, übersät mit Bollensteinen und Geröll. Damals gab es kaum Verwendung für dieses Material. Doch man wurde erfinderisch.
Ein sogenannter Steinbrecher wurde eingesetzt, der die grossen Steine zerkleinerte. Das gewonnene Material, «Weggrien» genannt, diente dem Bau und Unterhalt der Gemeindewege. Bald darauf stellte man die Anlage im Emmenhof auf, ergänzte sie um eine Siebtrommel und schützte sie mit einer einfachen Holzhütte. So entstand eine kleine, aber funktionierende Produktionseinheit, betrieben von wenigen Arbeitern.
Mit dem Aufkommen des motorisierten Strassenverkehrs stiegen jedoch die Anforderungen: Strassen mussten belastbarer werden, der Bedarf an sauberem Kies in unterschiedlichen Körnungen wuchs. Die Gemeinde verkaufte ihre einfache Anlage an ein Konsortium. Es war der Startschuss für den modernen Kiesabbau in Utzenstorf.
In den folgenden Jahrzehnten wurde die Anlage laufend modernisiert. Heute zählt neben Qualität auch Schnelligkeit. Das gewünschte Material muss sauber, richtig sortiert und prompt auf die Baustellen geliefert werden.
Doch der Kiesabbau blieb nicht ohne Diskussionen. Im November 1982 trafen sich Vertreter der Kantone Bern und Solothurn zu einer Besprechung. Der Grund: Die Kiesförderung auf Berner Boden hatte Auswirkungen auf das Flussbett der Emme, vor allem flussabwärts im Kanton Solothurn. Dort befürchtete man eine sogenannte Sohlenabsenkung, also eine Vertiefung des Flussbetts, was langfristig ökologische und technische Probleme mit sich bringen könnte.
Während Solothurn auf diese Risiken hinwies, betonte Bern die wirtschaftliche Bedeutung der Kiesgewinnung. Dennoch einigte man sich. Künftig sollte Kies nur noch dann aus der Emme entnommen werden, wenn durch Auflandungen tatsächlich Gefahr droht.
Bei dieser Gelegenheit kam erstmals auch der Gedanke auf, eine umfassende hydrologische Studie zur Emme in Auftrag zu geben. Ein Schritt hin zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Natur, Wirtschaft und Sicherheit.
Quelle
Die Berner Woche, 1947, Heft 36