Eisenwarenhandlung

 

 

Das eindrückliche Wohn- und Geschäftshaus an der prominenten Verzweigung von Hauptstrasse und Kirchstrasse wurde um 1905 erbaut und 1988 umfassend renoviert. Es handelt sich um einen charakteristischen Backsteinbau unter einem Mansartdach. Ein wuchtiger Baukörper, dem Historismus verpflichtet und mit reicher Kunststeingliederung versehen. Das Erdgeschoss ist durch verzahnte Ecklisenen und ein kräftiges Gurtgesims akzentuiert. Die beiden Obergeschosse sind durch Eckquader sowie ein fragmentarisches Stockwerkgesims rhythmisiert. Ein währschaftes Dachgesims mit dekorativen Zierkonsolen rundet das architektonische Erscheinungsbild ab.

Die nordöstliche Fassade fällt besonders ins Auge: Im Erdgeschoss befinden sich grosse Schaufenster unter einem original erhaltenen Glasvordach auf filigranen Schmiedeeisenkonsolen. Das erste Obergeschoss ist mit markanten, von Verdachungen eingefassten Zwillingsfenstern ausgestattet. Gegen Nordwesten erstreckt sich ein zweigeschossiger, polygonaler Anbau mit jüngerer Erdgeschossgestaltung. Im ersten Obergeschoss liegt eine geschlossene Loggia, darüber eine von einem dekorativen Geländer eingefasste Terrasse.

Der risalitartige südwestliche Anbau enthält den aufwendig gestalteten Hauseingang und zwei integrierte Loggien. Der gesamte Bau steht in besonders exponierter Lage und setzt im Ortsbild einen städtebaulich prägenden Akzent.

Die Geschichte dieses Hauses beginnt mit dem Verkauf der «Alten Schmitte» samt Umschwung durch Arnold Rufer, Hufschmied aus Bern, an Emil Marti-Wälchli aus Sumiswald, wohnhaft in Utzenstorf. Marti-Wälchli erkannte den Wandel der Zeit: Das traditionelle Schmiedehandwerk verlor an Bedeutung, während industriell gefertigte Eisenwaren zunehmend gefragt waren.

Er nutzte als rechtmässiger Besitzer der Parzelle das ihm zustehende Näherbaurecht und errichtete direkt an der Nordseite der alten Schmiede das markante Wohn- und Geschäftshaus im Stil der Gründerzeit. Damit setzte er ein Zeichen des Aufbruchs und der Anpassung an die neuen wirtschaftlichen Verhältnisse und schuf ein Gebäude, das bis heute von seiner unternehmerischen Weitsicht zeugt.

 

Quelle

Denkmalpflege des Kantons Bern, Hauptstrasse 20, Utzenstorf